Schule für Gesang

    Petra Schulze
    

Cosi fan tutte

 

Mozart gilt als sehr anspruchsvoll für die Stimmen, besonders wegen des Tonumfangs und der geforderten Ebenmäßigkeit der Kantilenen. Diese Ebenmäßigkeit wird aber gar zu oft durch eine überdunkelte Kopfigkeit erreicht, die auf Kosten des Ausdrucks und der Farbenvielfalt der Stimmen geht.

 

Dies wurde sehr deutlich bei Dorabella und Guglielmo. Was immer sie ausdrucksmäßig erzeugen wollten, es war "gedachter" Ausdruck, nicht gefühlter, weshalb die Zuhörer trotz aller Dramatik eigentlich nichts erlebten. Dazu hätten die Stimmen in der Mitte, dort, wo Lachen und Weinen Gefühlsträger sind, zentriert sein müssen.

 

Genau das war bei Don Alfonso der Fall, der aus der Mitte ein wundervolles befreites Parlando und reiche Stimmungsvielfalt vorführte. Sein sicheres, klangvolles Legato bildete dazu die Basis.

Auch Despina verdankte ihre stimmliche Ausdrucksfähigkeit einer recht guten Mitte, die aber "zufälliger" wirkte.

 

Ebenso "zufällig" gewannen auch Fiordiligi und Ferrando im Verlauf der Aufführung mehr Mitte, sozusagen im Eifer des Gefechts. Da hörten wir von Ferrando durchaus berührende Töne, und Fiordiligi bezauberte mit einer freien Höhe.

 

Selbstverständlich hörten und sahen wir begabte, souveräne Sängerinnen und Sänger mit schönen Stimmen, hervorragender Musikalität und Spielfreude. Fiordiligi bewältigte den großen Tonumfang ihrer Partie problemlos, lediglich die extrem tiefe Lage war etwas zu brustig und manchmal auch auf der Kehle. Die Ensembles erklangen sauber ausgeführt und durchsichtig, alles, wie es sein soll ...

Aber es fehlte ein wahrer, gefühlter Ausdruck, ein berührender, individueller Ton, echte sängerische Individualität - die Mitte!