Schule für Gesang

    Petra Schulze
    

Faust (Margarethe) von Gounod

 

Eine dröhnende Bassstimme erzeugt noch keinen dämonischen Ausdruck, zumal, wenn dieser Ausdruck mehr gedacht als gefühlt ist. Dieser Mephisto wirkte (z.B. in der Kirchenszene) nur gefährlich durch das grausige Bühnenbild und die Regie. In der Anfangsszene mit Faust waren interessanterweise Mephistos Schmeicheltöne viel authentischer, war die Stimme heller und in der Körpermitte gefühlt.

Valentin hingegen verdiente in dieser Aufführung den Preis für die beste Nebenrolle. Seine schwärmerische Liebe, der Stolz auf seine Schwester berührten in seiner berühmten Arie ebenso wie Verzweiflung und Hass in der Todesszene. Die Wärme dieser Baritonstimme gründete sich auf solide Zentrierung in der Körpermitte, die auch in dramatischen Akzenten locker erhalten blieb.

An Lockerheit fehlte es dem Darsteller des Faust immer wieder. Bei allem sängerischen Können und guter Zentrierung verführte ihn sein Temperament zu übertriebener Intensität und Anstrengung. An seiner Kopfhaltung ließen sich Studien machen. Als Zuhörer konnten Sie die Augen schließen und genau "sehen", wenn der Sänger den Kopf "über Wasser" hielt - oder auch nicht. Das sind scheinbare Kleinigkeiten mit großer Wirkung auf die Stimme!

Locker, aber oft überdunkelt und nicht gut im Körper, war Margarethe mit viel Text schnell überfordert. Bei annähernd vom Text befreiten großen Gesangsbögen hingegen fühlte sich die Stimme in ihrem Element. Mit der gesteigerten Dramatik der Schlussszenen wurde diese große Stimme dann immer besser, freier und auch erschütternder. So ergab sich die Mitte im Singen, sängerische Sicherheit entsteht aber nur, wenn die Mitte bewusst ist.

Siebel, in diesem Fall als Mezzo besetzt, bot das Bild einer ästhetisch-schönen, ebenmäßigen Stimme, kopfig geführt, mit wenig Körper, gedunkelt und weich. Bei solchen Stimmen stellt sich immer die Frage, wie sie klingen würden, geführt aus der Körpermitte, mit deutlicher Trennung des Klanges von der Sprache. Aber es sind eben diese Stimmen, die keinen Anlass bieten, etwas zu ändern. Sie sind unaufdringlich, zuverlässig und entsprechen dem Mainstream - was will man mehr ...