Schule für Gesang

    Petra Schulze
    

Opernausschnitte der Wiener Staatsoper

 

Der ORF zeigte Ausschnitte aus Opern, die teilweise schon unter Besprechungen zu finden sind, so Nabucco, Carmen und La Traviata.

 

Die junge Sopranistin, die als Tatjana in Eugen Onegin kurzfristig eingesprungen war, kannte vorher nicht einmal das Innere der Wiener Staatsoper. Zudem legte der Regisseur großen Wert auf präzise Personenführung. Das waren denkbar schwierige Voraussetzungen, die die Sängerin eindrucksvoll meisterte. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten war der Tonansatz in der Mitte beinahe sichtbar, schon vor Erklingen der Phrase, Klang und Körperausdruck berührend wahr.

 

Im Gegensatz dazu Tosca, völlig souverän, aber nicht wirklich ergreifend mit gedunkeltem Klang, der stets Körperklang imitiert. Erst am Schluss der Arie gewann die Sängerin kniend buchstäblich mehr Erdung.

 

Sehr berührend, schlicht und wahr offenbarte die Gräfin im Figaro den Schmerz über ihren ungetreuen Ehemann. Mit sanfter, großer Weite des Klanges, einem wunderbaren Crescendo ganz aus der Mitte und im Sog, so ist diese Arie selten zu hören.

 

Ähnlich ergreifend, aber noch dramatischer zeigte sich die Sängerin der Butterfly, die in der Schlussszene zu einer Klangintensität ausholte, wie sie so nur aus kraftvoller Mitte möglich ist.

 

Bei beiden Sängerinnen war manchmal ein leichtes Festhalten des Klanges an der Sprache bemerkbar als ein kleiner Schönheitsfehler. Vielleicht ist das aber auch Ausdruck der letzten, kleinen menschlichen Angst, sich in den Weiten des Kosmos zu verlieren.

 

Die Fledermaus am Silvesterabend (live) präsentierte ein hinreißendes sängerisches und darstellerisches Spektakel, an dem auch die Profis merklich Spaß hatten.

Adele mit großer, schöner, nicht immer gut gegründeter Stimme war dennoch ein prachtvolles Gegenüber für Ihren Eisenstein. Dieser sang und spielte mit einer Leichtigkeit, wie sie eben aus sicherer Mitte möglich ist. Oft erleben wir in dieser Rolle einen guten Komiker, der ganz ordentlich singt. Hier war zudem noch ein hervorragender Sänger zu hören.

 

Ebenfalls herausragend sang Werther seinen Abschied von seiner Geliebten mit melancholischer Schönheit, aus zuverlässiger Mitte, strömend, wahr und schön.