Schule für Gesang

    Petra Schulze
    

Wiener Staatsoper, 24. 01. 2021

 

Nabucco

 

Dunkles Bühnenbild, solide arbeitende Sänger, eher Generalproben- als Aufführungsstimmung.

Es wurde viel "gearbeitet", zu viel.

Abigaille mit großer Stimmkraft und eigentlich guter Höhe arbeitete sichtlich (das Fernsehbild ist gnadenlos) mit "Einstellungen" einzelner Töne und Passagen, statt einen einheitlichen Focus zu suchen.

Gelegentlich attackierte sie eher das nicht vorhandene Publikum, als es in der Dramatik mitzureißen. Denn "mitreißend" ist immer nur der Klang, der wie von außen durch den Körper strömt. Dazu braucht es Nachgiebigkeit aus der Körpermitte und in den Knien bis zu den Füßen hin.

 

Dieser Kontakt zum Boden war auch bei Zacharias kaum vorhanden ( vielleicht in einigen lyrischen Passagen). Deshalb dunkelte er seine schöne tiefe Stimme im Mundraum ab, um ihr dort den Basscharakter zu verleihen, den sie sonst sowieso gehabt hätte.

 

Ismael gelangen in der Anfangsszene wirklich berührende hohe Töne, die beinahe "sichtbar" durch den Körper gingen. Eindrücklich war auch die Wirkung des Herumgeschupstwerdens durch den Chor , der Ismael nicht behinderte, sondern lockerte und sich stimmlich angenehm auswirkte.

 

Fenena blieb irgendwie blass. Diese wahrscheinlich sehr viel größere Stimme klang manchmal "zahnig" und neigte dadurch zu Schärfen, die sie bei stärkerer Körperbeteiligung nicht gehabt hätte.

 

Nabucco begann mit für mich deutlich fühlbarer trockener Kehle, ein Phänomen, das sich durch konsequentes Legato schnell legte. (Bei physiologisch richtiger Stimmbetätigung feuchten sich die Stimmbänder von selbst an!) Spiel und Gesang fanden bei ihm zu einer Einheit, die in scheinbar "unmöglichen" Positionen (kniend, halb schräg liegend...) Stimmkraft und Ausdruck noch verstärkte - und auch die Nachgiebigkeit aus der Körpermitte!

Dieses Nachgeben entspricht einem inneren "aus dem Weg Gehen". Der große Tenor Benjamino Gigli sprach sogar davon, dass Singen für ihn bedeutete, "in eine Imagination hinein zu sterben".

Was hier "stirbt", ist das ehrgeizige, "arbeitende" Alltags-Ich, damit das wahre Selbst wirken kann!

 

Die Oper Nabucco war der erste große Durchbruch im Schaffen des 28-jährigen Verdi. Der Chor der Gefangenen "Va, pensiero" wurde in Italien zur zweiten Nationalhymne, zum Symbol für Freiheit und Patriotismus. Jedes Kind konnte die Melodie singen. Zu Verdis Begräbnis fast 60 Jahre später kamen 300.000 Menschen und stimmten spontan dieses Lied an.